Die fürbittende Gottesmutter
Wallfahrtskapelle St. Marien Etzelsbach - Gemälde
Geschrieben von: Peter Anhalt   

Bild über dem Westtor

Autor: Peter Anhalt

Pfarrer Oswald Kullmann (1873-1946) wünschte sich über diesem Tor ein Gemälde. Es sollten Pferde zur Darstellung kommen. In dem Würzburger Kunstmaler Willy Jakob fand er nach längerem Suchen den Fachmann, der seine Vorstellungen umsetzen konnte.

 

Pfarrer Oswald Kullmann (1873-1946) wünschte sich über diesem Tor ein Gemälde. Es sollten Pferde zur Darstellung kommen. In dem Würzburger Kunstmaler Willy Jakob fand er nach längerem Suchen den Fachmann, der seine Vorstellungen umsetzen konnte. So kurz nach dem I. Weltkrieg fragten sich die Menschen: Warum lässt Gott so viel Leid zu. Eine Antwort gibt die Offenbarungen des Evangelisten Johannes. Hier ist zu erfahren: Gott lässt zu, dass die Welt mit Tod und Vernichtung überzogen wird. Der Evangelist symbolisiert das Leid durch Reiter, die Angst und Schrecken auf die Erde bringen.  

**Das Bildthema ist alt, schon Albrecht Dürer hat es in einem berühmten Holzschnitt bearbeitet und immer wieder wurde es in schlimmen Zeiten von Künstlern aufgegriffen. In Etzelsbach ist jedoch ein hoffnungsvolles Bild entstanden. Das Thema ist in der Kunstgeschichte einmalig.

**Dem Bild mit den Reitern der Offenbarung des Johannes ist Maria, die Gottesmutter zugeordnet.
Sie ist als Fürsprecherin dargestellt. Maria bittet ihren Sohn, die Schreckensreiter von der Menschheit abziehen zu lassen. In einem Spruchband ist zu lesen: „Vor Pest, Hunger und Krieg bewahre uns o, Herr!“ Es ist ein Zitat aus der Allerheiligenlitanei, dem großen Bittgebet der katholischen Kirche. Vor Pest, Hunger und Krieg bewahre uns o Herr!“, so beten die Menschen in der Hoffnung vor dem Gnadenbild, dass Maria diese Bitte weiter trägt.

Bild über dem Westtor

Betrachten wir das Bild:

**Die Antriebsbewegung des Bildes wird durch einen weißen Reiter von rechts nach links bestimmt. Hier im Gemälde steht er für Jesus Christus, den Weltenrichter. Er ist Mittel- und Höhepunkt des Bildes. Ein Erzengel führt sein Pferd und stößt in die Posaune des Gerichts.

**In der rechten Bildecke befindet sich eine zerstörte Stadt, aus deren Trümmern Qualm und Flammen zu einem Reiter mit einem fahlen Pferd emporziehen. Mit der Sichel und seiner knochigen Gestalt verkörpert er Pest und Tod. Vor ihm befinden sich in Todesnot gequälte Menschen, die unter Marias Schutzmantel flüchten. Und Maria fleht mit erhobener Hand den weißen Reiter um Schonung vor göttlichem Zorn an. Ein Gnadenstrahl zeigt: Christus gewährt Erhörung.

**Auf der abwärts gehenden Kurve der linken Seite ist ein schwarzer Reiter mit einer Waage in der Hand dargestellt. Er sitzt auf einem Einhorn und wendet sich fragend Christus zu. Er verkörpert Hunger und Teuerung. Er trägt Schlangenhaar, denn wie Schlangen wühlt der Hunger im Innern des Menschen.

**Neben ihm rast mit hoch erhobenem Flammenschwert, mit fliegenden Haaren ein roter Reiter dahin. Er stellt     den Krieg dar. Feuerregen fällt auf die Erde. Hier ist die alte Etzelsbachkapelle von 1801 dargestellt. Die     Linden biegen sich im Sturmwind. Auch die Kapelle ist durch den Feuerregen bedroht. Der Künstler spielt     hier  auf die Geschichte des Wallfahrtsortes im Bauernkrieg an.

**Schließlich wird das ganze Bild durch einen Regenbogen als Zeichen des Friedens zusammengefasst. Der Regenbogen steht seit jüdischen Zeiten dafür, dass Gott mit den Menschen einen Bund schloss.

 

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